Lehre
Unsere Lehrangebote umfassen organische Geochemie, Umweltgeochemie, Paläoklimatologie und Paläoozeanographie. Die Module verbinden theoretische Grundlagen mit praktischen Einblicken in Gelände, Labor und Datenauswertung. Studierende lernen, wie Böden, Sedimente, organische Substanz und Umweltarchive untersucht werden können, um heutige und vergangene Umweltprozesse besser zu verstehen. Außerdem stellen wir mögliche Themenfelder für Abschlussarbeiten sowie bereits abgeschlossene Arbeiten vor.
Einblicke in Gelände- und Laborpraktika
SM6: Organische Geochemie und Umweltgeochemie
In diesem Bachelor-Modul erhalten Studierende einen theoretischen und praktischen Einstieg in die organische Geochemie und die Umweltgeochemie. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie organische (Schad-)Stoffe in Böden, Sedimenten und der Umwelt entstehen, umgewandelt, transportiert und analysiert werden können. Dabei lernen die Studierenden, welche Informationen sich aus geochemischen Analysen über heutige und vergangene Umweltprozesse gewinnen lassen.
Nach einer kurzen Einführung in die organische Geochemie lernen die Studierenden wichtige Bestandteile des Kohlenstoffkreislaufs kennen und erfahren, wie organische Substanz in Sedimenten und Böden gebildet, verändert und langfristig erhalten oder abgebaut wird. Außerdem werden zentrale organisch-geochemische Analysemethoden vorgestellt und erläutert, welche Parameter und Indikatoren daraus abgeleitet werden können. Diese Informationen können zum Beispiel genutzt werden, um vergangene Umweltbedingungen zu rekonstruieren oder Stoffkreisläufe in heutigen Ökosystemen besser zu verstehen.
In der Umweltgeochemie liegt der Schwerpunkt auf organischen Schadstoffen. Die Studierenden erhalten einen Überblick darüber, aus welchen Quellen anthropogene Schadstoffe stammen, wie sie in die Umwelt gelangen und wie sie sich dort verhalten. Anhand ausgewählter Beispiele wird gezeigt, wie kontaminierte Böden, Sedimente oder Altlasten untersucht und bewertet werden können. Dabei geht es sowohl um die chemischen Eigenschaften der Schadstoffe als auch um deren Umweltrelevanz.
Die Übungen und Kurzexkursion ergänzen die Vorlesungsinhalte durch praktische Einblicke in Gelände, Labor und Datenauswertung. Die Studierenden lernen grundlegende Methoden der Probenahme kennen, bereiten Proben für organisch-geochemische Analysen selbstständig vor und sammeln erste praktische Erfahrungen mit instrumentellen Analyseverfahren. Anschließend werden die gewonnenen Daten ausgewertet, veranschaulicht und interpretiert. Ziel ist es, Analyseergebnisse nicht nur erzeugen zu können, sondern auch kritisch einzuordnen und im Kontext geowissenschaftlicher Fragestellungen zu bewerten.
SM9: Paläoklimatologie und Paläoozeanographie
In diesem Master-Modul erhalten Studierende einen vertieften Einblick in die Paläoklimatologie und Paläoozeanographie. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich das Klimasystem der Erde in der Vergangenheit verändert hat, welche Prozesse diese Veränderungen gesteuert haben und wie paläoklimatische und paläoozeanographische Kenntnisse dazu beitragen können, aktuelle globale Klimaveränderungen besser einzuordnen und zu bewerten.
Zu Beginn werden wichtige Komponenten des heutigen Klimasystems, wie die Atmosphäre, Ozeane, Kryosphäre, Biosphäre und der Kohlenstoffkreislauf, sowie deren Wechselwirkungen behandelt. Darauf aufbauend beschäftigen sich die Studierenden mit natürlichen Klimaschwankungen auf unterschiedlichen Zeitskalen, von tektonisch geprägten Veränderungen über orbital gesteuerte Klimazyklen bis hin zu kurzfristigeren Klima- und Umweltveränderungen. Behandelt werden zum Beispiel Wärmeperioden der Erdgeschichte, die neogene Abkühlung, Veränderungen des Monsunsystems sowie zentrale Prozesse im globalen Kohlenstoffkreislauf.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Ursachen und Auswirkungen von Klima- und Umweltveränderungen der jüngeren Erdgeschichte sowie auf Veränderungen der Ozeanzirkulation. Dabei werden unter anderem das letzte glaziale Maximum, die Deglaziation und das Holozän betrachtet. Die Studierenden lernen, wie Ozeanzirkulation, Wassermassenverteilung, Meereisbedeckung, Temperatur, Meeresspiegel und Umweltbedingungen miteinander verknüpft sind. Außerdem wird vermittelt, welche geologischen Archive genutzt werden können, um vergangene Entwicklungen zu rekonstruieren.
Darüber hinaus werden organisch-geochemische Proxies als Werkzeuge der Paläoumweltforschung behandelt. Die Studierenden lernen, wie organische Moleküle in Sedimenten Informationen über vergangene Umweltbedingungen liefern können und wie solche Proxies analytisch untersucht und interpretiert werden. Dabei werden grundlegende Methoden der organischen Geochemie vermittelt und in Laborpraktika angewendet. Die erlernten analytischen Methoden sind dabei auch über paläoklimatologische Fragestellungen hinaus anwendbar.
Neben den Vorlesungen bearbeiten die Studierenden ausgewählte Themenbereiche anhand aktueller Literatur- und Forschungsergebnisse. Diese werden von den Studierenden recherchiert, in kurzen Vorträgen präsentiert und gemeinsam diskutiert. Ziel ist es, wissenschaftliche Texte zu erschließen, Forschungsergebnisse verständlich zusammenzufassen und kritisch zu bewerten. Dadurch lernen die Studierenden zentrale wissenschaftliche Arbeitsweisen kennen und üben, eigene fachliche Einschätzungen nachvollziehbar zu begründen.
Abschlussarbeiten
Promotionen
Jan Melchert (2022)
Establishing and improving AMS 14C analysis of greenhouse gases.
Anja Wotte (2018)
Purification of CO2 for AMS 14C analysis: Method development and application to permafrost deposits.
Matthias Thienemann (2017)
Environmental reconstruction from lacustrine deposits using organic geochemical and isotopic proxies.
Silke Höfle (2015)
Organic matter composition and dynamics in polygonal tundra soils.
Diplom-, MSc-, BSc-Arbeiten
Wir bieten Bachelor- und Masterarbeiten in den Bereichen organische Geochemie, Radiokohlenstoffanalytik und Paläoklimaforschung an. Mögliche Themen umfassen unter anderem den Kohlenstoffkreislauf in Permafrostregionen, geochemische Untersuchungen an Böden, Sedimenten und weiteren Umweltarchiven sowie die Rekonstruktion vergangener Umwelt- und Klimaveränderungen.
Je nach Fragestellung können dabei unter anderem Lipidbiomarker-Analysen, 14C-Datierungen, XRF-Messungen sowie weitere biogeochemische und sedimentologische Laboranalysen zum Einsatz kommen. Das konkrete Thema wird individuell in einem persönlichen Gespräch zwischen Studierenden und Betreuenden abgestimmt.
2026
Janis Martin (B.Sc.) -
Felix Jasper (M.Sc.) - Arctic greening: Influence of vegetation changes on carbon cycling in Pleistocene Yedoma.
2025
Simon Kempf (M.Sc.) - Changes in microbial activity in permafrost soils of the high Arctic, Svalbard.
Daniele Bevilacqua (M.Sc.) - Comparative studies on water surface temperature reconstruction off the coast of Brazil using alkenones and GDGTs.
Jerome Wolff (M.Sc.) - “ENSO-Modoki” on the rise under global warming conditions? in den letzten 60.000 Jahren im Bereich des westlichen subtropischen Atlantik.
2024
Christian Schmidt (B.Sc.) - Intensified vegetation growth in the Arctic and its effect on C-dynamics in permafrost soils in East Siberia.
2023
André Faust (M.Sc.) - Reconstruction of Pliocene environmental conditions in the subantarctic central South Pacific Ocean based on biomarker, sedimentological and XRF data from IODP Expedition 383, Site U1541.
Kerstin Schröder (B.Sc.) - Reconstruction of climate changes off Chile during the last 19,000 years.
2022
Janis Martin (B.Sc.) - Rekonstruktion von Klimaschwankungen in den letzten 60.000 Jahren im Bereich des westlichen subtropischen Atlantik.
2021
Vincent Wall (M.Sc.) - Lipid- und XRF-Untersuchungen des Kerns M125-35-3 vom südostbrasilianischen Kontinentalrand zur Rekonstruktion von Änderungen in der atmosphärischen und ozeanischen Zirkulation im späten Pleistozän und Holozän.
2019
Lajia Oberholz (M.Sc.) - Climate dynamics during the Panama Isthmus closing, a multiproxy approach.
Johannis Pfennig (B.Sc.) - Compositional differences of organic matter in Yedoma permafrost: a lipid biomarker study.
2018
Simon Bernhard (B.Sc.) -Analyse der Kohlenstoffdynamik in permafrostbeeinflussten Böden und Sedimenten des Lena Deltas anhand von 14C-Messungen.
Reaz Hossain (M.Sc.) - Leben unter extremen Bedingungen - Eine Biomarker Studie der Atacama-Wüste in Nordchile.
2017
Kevin Rieger (B.Sc.) - Lipidbiomarker-basierte Temperaturrekonstruktion am Baikalsee.
Miriam Wiedenhöfer (M.Sc.) - Kohlenstoffinventar und Stabilisierung in Permafrostgebieten der Arktis und Antarktis.
2016
Jan Feder (B.Sc.) - Radiokohlenstoffdatierung organikarmer (<0.2% TOC) Sedimente: Welche Alter liefern organikreichere Unterfraktionen?
Jannik Martens (M.Sc.) - A biomarker and radiocarbon based paleoclimatic reconstruction of MIS1, MIS3 and MIS5e using permafrost deposits from NE-Siberia.
2014
Andrea Lauss (Diplomarbeit) - Reconstruction of hydrological and vegetation changes in continental Africa during the Holocene: compound-specific δD and δ13C analysis of plant-derived lipids from Lake Yoa sediments (Ounianga Kebir, Chad).
Sven Gelking (Diplomarbeit) - Rekonstruktion von holozänen Umweltveränderungen seit dem Ancylus-Stadium im östlichen Gotlandbecken (Ostsee) anhand von XRF-Daten und Lipidbiomarkern.
2013
Sophia Burghardt (Diplomarbeit) - Composition of the organic substance and biogeochemical processes in permafrost soil of the polygonal tundra in the Arctic Lena Delta, Siberia.
Anuschka Buter (B.Sc.-Arbeit) - Eintrag von gelöstem organischen Kohlenstoff in die Rappbodetalsperre.
Stephan John (Diplomarbeit) - Verteilung und Stabilisierung von organischem Kohlenstoff in sibirischen Permafrostböden.
Tobias Hagemann (Diplomarbeit) - Paläoumweltveränderungen in der Ostsahara am Beispiel des Lake Yoa.
Sandra Petersen (B.Sc.-Arbeit) - Evaluierung verschiedener Analysemethoden zur Bestimmung von Kohlenstoff in Sedimenten.
2010
Torben Bahnsen (Diplomarbeit) - Analyse der Matrixabhängigkeit quellendiagnostischer PAK-Ratios an Standorten unterschiedlicher Emissionscharakteristik.
Sina Grewe (Diplomarbeit) - Changes of the environmental conditions in La Bédoule (SE France) - a high resolution study of the OAE 1a with carbon isotope stratigraphy and biomarker analysis.
Michael Lappé (Diplomarbeit) - Influence of vegetation, land use and climate on hydrogen isotope compositions of long-chain n-alkanes and distribution of tetraether membrane lipids in Ethiopian soils.
Wolfgang Rübsam (Diplomarbeit) - Organic facies development during the Toarcian Ocean Anoxic Event in Luxembourg.
Alexander Wagner (Diplomarbeit) - Organofazies und Reiferekonstruktion des Toarc-Bitumenschiefers in Luxembourg.
Sarah Wurth (Diplomarbeit) - PAK Belastung in Böden und Sandfallen der Stadt Trondheim, Norwegen.